Archiv für April 2010

Materialismus der Begegnung

Habe mir heute das Spätwerk Althussers gekauft:

Bin echt gespannt darauf, da die vorab veröffentlichten Texte sich vielversprechend lasen. Außerdem immerhin ein Lob von Toni Negri für diesen kryptischen Text. Hier der Klappentext:

Zufall, Leere, Abweichung: Abenteuer des Denkens

Der Band versammelt späte und unvollendete Schriften A­lthussers, die zu den eigentümlichsten und verstörendsten Texten gehören, die das Denken des späten 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Im Leben des marxistischen Philosophen ­markieren sie einen schmerzhaften Bruch: Sie sind Teil eines Denkens der Krise, das eine radikale Philosophie der Praxis zu entwerfen sucht.

Bekämpft, verdrängt und gerade darum stets gegenwärtig, zieht sich ein untergründiger Strom durch die Geschichte der west­lichen Philosophie. Von den antiken Atomisten über Spinoza und Macchiavelli bis zu den Zeitgenossen Derrida und Deleuze arbeitet ein Denken der Leere, des Zufalls und der Abweichung, das jede Wesensphilosophie, ja Philosophie überhaupt im Prinzip unmöglich macht und schließlich auch den dialektischen Materialismus überwinden soll.

Die Ausgabe dieser erstmals auf Deutsch zugänglichen Schriften macht die Brüche und Anstrengungen nachvollziehbar, die in den Begriffen dieses neuen und zugleich ältesten Materialismus liegen. Althussers Differenzierung zwischen »Materialismus der Begegnung« und »aleatorischem Materialismus« bezeugt die produktive Kraft eines einzigen beharrlichen Gedankens, der das Denken bricht: »Weder wird je ein Würfelwurf den Zufall aus­löschen – noch wird je der Zufall einen Würfelwurf vereiteln.« Das »Porträt des materialistischen Philosophen« gibt einen Vorgeschmack auf das Abenteuer eines Denkens, das im »Wilden Westen« nach Auf- und Umbruch sucht…

»Wie benjaminisch dieser Althusser ist! Feuerbach schrieb, dass sich jede neue Philosophie durch ein neues Wort ankündigen werde: für ihn war es das Wort ›Mensch‹; für Althusser ist alea das neue Wort.« (Antonio Negri)

Schlimmer als der WM-Nationalismus

Seit Monaten schon fürchtet sich die anti-nationale Linke vor dem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer, das zur WM wieder zu erwarten ist. Natürlich sind Public Viewing Veranstaltungen bei Spielen der dt. Nationalelf hauptsächlich eine Ansammlung widerlicher Deppen. Aber mal ehrlich liebe Antinationale jenseits von einzelnen Städten, wo sich Nazis ungestört und völlig integriert unter den Party-PariotInnen bewegen können, ist der Nationalismus zur WM doch vor allem ästethisch mit seinen schwarz-rot-goldenen Baströckchen, Hüten und der Gesichtsbemalung eine Beleidigung.

Schlimmer, als das was uns da zur WM noch bevorsteht, ist dagegen die derzeitige nationalistische Mobilisierung gegen Griechenland. Statt sich zu freuen, dass die griechische Bevölkerung in maßgeblichen Teilen der Logik der Ökonomie ablehnend gegenübersteht und den Klassenkampf wiederentdeckt (siehe Aprilupdate unter http://www.labournet.de/internationales/gr/aprilupdate.html), soll sich der dt. Spießer / die dt. Spießerin an die Seite ihres Kapitals stellen. „Der Grieche“ wird als faul, korrupt und arbeitsscheu dargestellt. Ganz im Gegensatz zum fleißigen Deutschen, der dank seiner germanischen Schaffenskraft die Leistung der EU erwirtschaftet. Also es wurde tief in der Kiste Anti-Südeuropäischer Ressentiments gegraben. Mit Spanien, Portugal und in Ansätzen Italien droht der Staatsbankrott weiteren südeuropäischen Ländern, was den Diskurs noch vorantreibt.

Das ist für Antifas auf den ersten Blick nicht so interessant. Schließlich zündet ja niemand griechische Restaurants an oder überfällt die Tapas-Bar Angestellten um die Ecke. Da körperliche Gewalt immer noch Maßstab für die Dringlichkeit antifaschistischer Interventionen ist, gibt es nicht einmal Flugblätter oder Solidaritätsbekundungen für die kämpfenden Lohnabhängigen in Griechenland. Dies sicherlich auch, weil der klassenkämpferische und internationalistische Anspruch der antifaschistischen Bewegung vielerorts auf den Hund gekommen ist.

Richtig wäre es dagegen einzusehen und sich damit zu beschäftigen, dass der Standort- und Währungs-Nationalismus gegen Griechenland ein imperialistischer Angriff des bundesrepublikanischen Kapitals ist, welches seine Vorherrschaft im Euro-Raum sichern will, und ein Anzeichen, dass an der griechischen ArbeiterInnenklasse ein Exempel der Krisenlösung im Sinne des Kapitals statuiert werden soll. In diesem Punkt sind sich internationale AnlegerInnen und dt. Großbanken dann auch einig. Die Botschaft der griechischen Krise ist überdeutlich: Die Lohnabhängigen sollen die Krise zahlen und eine Regierung, die dies nicht durchsetzen kann, ist unfähig und gehört die Unterstützung und das Vertrauen des Kapitals – in Form von Krediten- entzogen. Um dies durchzusetzen brauchen sie keine Überfälle vom dt. Nazimob, aber eine ideologische Legitimation für den Druck auf die griechische Regierung, die dann mit der Gewalt ihres demokratischen Mittels Polizei die Kämpfe repressiv niederschlagen muss, und für die ökonomische Katastrophe von Einschnitten im Sozialsystem, Erwerbslosigkeit und verlängerter Arbeitszeit, die der griechischen Klasse droht. Auch diese Katastrophe führt zu körperlichen und psychischen Elend und letztlich fordert auch sie Tote.

Diese strukturelle Gewalt der Verhältnisse muss endlich wieder in den Vordergrund einer antikapitalistischen antifaschistischen Bewegung rücken.

Hass auf das bürgerliche Sozialstaatssystem

Seit einiger Zeit bin ich beruflich in der Sozialberatung tätig und mit jedem Gespräch wächst mein Hass auf die Sozialbürokratie. Egal ob Hartz IV BezieherInnen, behinderte Menschen, RentnerInnen oder von der Sozialhilfe Abhängige. Alle werden durch das System täglich verarscht. Hier eine Lücke, die jemanden aus der Krankenversicherung fallen lässt und bewirkt, dass bei dem Versuch erneut hinein zu kommen von ihm vier Jahre Beiträge nachgefordert werden können, dort die Verweigerung von Hilfeleistungen für behinderte Menschen, da erstmal versucht wird die Kosten auf einen anderen Träger abzuwälzen. Grundsätzlich (und das nicht erst seit Hartz IV) auf eine Aufspaltung der BezieherInnen gerichtet. Seit Hartz IV jedoch noch stärker auf die Mobilisierung der BezieherInnen gerichtet. Diese sollen beschäftigt sein und wenn es nur mit den Ausfüllen und Einreichen von Anträgen ist.

Dazu kommt die weit verbreitete Kälte der SachbearbeiterInnen. Abgestumpft durch den Leistungsdruck (Remember Hartz I-III) und die eigene Überforderung gesellschaftliche Probleme zu managen. Aber auch der eigenen ideologischen Verbortheit, in der soziale Ungleichheit durch die Defizite der Betroffenen erklärt wird. Diese konservative Verachtung wird ergänzt durch SozialarbeiterInnen, die nur noch individuelle Erfolge ihrer KlientInnen im Auge haben. Von einem kollektiven Klientel ist für diese neoliberale Pädagogik (und allein die Belehrung der traditionellen Pädagogik war schon ätzend) kaum mehr die Rede. Empowerment nur noch für die/den Einzelnen und nicht mehr für die gesellschaftlich marginalisierte Gruppe. Dafür gibt es ja keine Staatsknete.

Angesichts dieser Sozialbürokratie und dem Sozialrassismus der Leistungselite beginnen Parolen wie der von den „Knieschüssen für Schreibtischtäter“ wieder an emotionaler Faszination für mich zu gewinnen. Nur leider führt das politisch zu nichts.

Mein Beitrag zum 1.Mai in Erfurt

Da der NPD-Vorsitzende Udo Voigt angekündigt hat, mit einer Delegation spanischer Nazis aufzutauchen habe ich einen ganz besonderen Beitrag für die kastilischen Kameraden.

Ich hoffe die Internationale Delegation hat ihre Freude daran. Die Baskenland- ist meine Israelfahne für die kastilischen Kameraden.

Euskal Herria Askatasuna!