Archiv für März 2011

Zum St.Patrick’s Day

Wie Linke völlig durchdrehen

Heute hatte ich ein besonderes Erlebnis. Ich habe mal wieder die Absurdität eines linken Elitismus vor Augen geführt bekommen. Auslöser war folgendes Bild:
Elitäre Spinner

Was auch immer die beiden Herren auf den Anti-Atom Mahnwachen vermutet haben mögen, ist mir schleierhaft: Ob dt. Volksgemeinschaft oder emotionale Herde. Jedenfalls glaube ich, dass die Abgrenzung gegen diese Menschen eher der Philosophie Ortega y Gassets verpflichtet ist als einer marxistischen Analyse oder anderer kritischer Theorie. Es ist nur noch pure Massenverachtung einer (möchtegern) akademischen Elite. Ich krieg das kalte Kotzen.

Prioritätensetzung im Kapitalismus

Alle Beiträge aus dem Liveticker von Spiegel-onlinevom 13./14.3. zu Tsunami und Atomkatastrophe in Japan:

13.März
+++ Wirtschaftsweiser: Entwarnung für die Weltwirtschaft +++

[19.17 Uhr] Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, hat trotz des folgenreichen Unglücks in Japan Entwarnung für die Weltwirtschaft wie auch für die deutsche Wirtschaft gegeben. Einige deutsche Unternehmen könne es allerdings temporär hart treffen, wenn sie sehr stark in Japan engagiert seien. Eine indirekte Wirkung könne zudem von Drittlandeffekten ausgehen: „Länder, deren Exportanteil nach Japan sehr hoch ist und die demzufolge zumindest kurzfristig in Mitleidenschaft gezogen werden, können ihre Importe aus Deutschland zeitweilig zurückfahren.“

+++ Japans Autobauer stellen Produktion vorerst komplett ein +++

[20.32 Uhr] Die Autokonzerne Toyota, Nissan und Honda stellen ab Montag ihre Produktion auf unbestimmte Zeit ein, wie BBC berichtet. Toyota betreibt zwölf Fabriken in Japan, Nissan drei. Honda teilte mit, es sei eine Produktion von 4000 Fahrzeugen pro Tag von der Entscheidung betroffen.

14.März
+++ Zentralbank erhöht Finanzspritze auf 133 Milliarden Euro +++

[4.45 Uhr] Die japanische Zentralbank hat ihre Geldspritze für die Finanzmärkte noch einmal drastisch erhöht. Umgerechnet rund 133 Milliarden Euro sollen die Folgen der Erdbebenkatastrophe zunächst abmildern. Zum Start des Börsenhandels hatten die Aktienkurse zuvor drastisch nachgegeben. Der Nikkei-Index verlor mehr als fünf Prozent und fiel zwischenzeitlich unter die 10.000-Punkte-Marke. Auch die Aktien der japanischen Automobilhersteller verzeichneten starke Kursnachlässe. Die Betreiberfirma mehrerer havarierter Reaktoren, Tepco, wurde wegen einer Fülle von Verkaufsaufträgen vom Handel ausgesetzt.

+++ Ölpreise fallen nach Erdbebenkatastrophe in Japan +++

[13.34 Uhr] Vor dem Hintergrund der schweren Erdbebenkatastrophe in Japan sind am Montag die Ölpreise gefallen. Experten der Commerzbank erwarten einen vorübergehend deutlich niedrigeren Rohölverbrauch in Japan und kurzfristig einen weiteren Preisdruck an den Ölmärkten. Im Mittagshandel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 112,68 US-Dollar und damit 1,17 Dollar weniger als am Freitag. Rohöl der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich um 1,44 Dollar auf 99,72 Dollar.

Eure Wissenschaftlichkeit kotzt mich an!

Heute trat der adelige Verteidigungsminister der BRD und Held des rechtskonservativen Milieus Karl-Theodor zu Giuttenberg zurück. Und kaum ist diese erfreuliche Nachricht raus und man könnte sich über diesen Verlust einer Identifizierungsfigur auf der Rechten die Hände reiben, werden wir mit saudummen Kommentaren aus dem liberalen und linken Medienspektrum beglückt. Ein „Sieg der Wissenschaft“ sei diese Tat souffliert etwa der Freitag. Ein von tausenden DoktorantInnen unterschriebener Brief habe maßgeblich zum Sturz Guttenbergs beigetragen. Andere Medien hatten sich bereits vorher über die Verletzung der bürgerlichen Umgangsformen der Wissenschaft durch Guttenberg echauffiert.
Dass der Guttenberg-Fall aber gerade das Beste Beispiel dafür ist wie die deutsche Universität (und wahrscheinlich nicht nur die) funktioniert, fällt auch kritischen JournalistInnen gar nicht mehr ein. Wahrscheinlich sind sie zu sehr geprägt durch und verstrickt in die Gemengelage aus Männerbund, Nepotismus und Korruption, die das Milieu der Universitäten prägen. Vieles an diesen Institutionen entspricht Vorstellungen von Organisierter Kriminalität, aber wird von den Beteiligten als Gentlemansagreement verstanden. Ob es das alltägliche Protegieren eigener Zöglinge ist, die nach dem Motto hilfst Du mir bei meinem Mann, kannst Du bei der Besetzung deiner Nachfolge auf mich zählen, tagtäglich an Hochschulen praktiziert wird. Ob es die Zweckentfremdung von Geldern für den eigenen Forschungsbereich ist oder das Verwerten von Arbeitsergebnissen von Studierenden und Doktoranden in eigenen Publikationen, in denen diese ebenso wenig wie die Plagiate Guttenbergs zu erkennen sind bzw. die eigentlichen Co-AutorInnen nicht einmal in den Dankesworten erwähnt werden. Ob es allgemeiner die Ausnutzung aller wissenschaftlichen und administrativen Leistungen ist, die durch Personen der unteren Ebenen der Hochschulhierarchie produziert wurden, auf deren Ergebnisse stets ohne Zögern eigene Ansprüche erhoben oder das eigene Label gedrückt wird. Im akademischen Wettbewerb ist alles erlaubt! Ob es es die augenzwinkernde Duldung von sexueller Belästigung durch Prüfer oder scheinbar harmloser die sexuellen Kontakte zu abhängigen Studierenden oder DoktorantInnen sind. Ob…
Stets zeigt sich, dass besonders die Universität gerade kein Hort der bürgerlichen Ehre, der Redlichkeit, der Wahrheitsproduktion und der wissenschaftlichen Leistungsbereitschaft ist. Dies ist nur ihre aufgeblasene Ideologie, die es ihr ermöglicht gegenüber anderen Bildungsinstitutionen eine Überlegenheit an den Tag zu legen, die vermessen ist und einen Elitismus befördert, den eine emanzipatorische Perspektive abstreifen sollte. Wenn daher „linke“ Zeitungen wie der Freitag eine solche Perspektive an den Tag legen, sollten sie überlegen ob es nicht realistischer wäre, dass im Fall Guttenberg ein wissenschaftlicher Lügner nur einen Fehler gemacht hat, den sich im Gegensatz zur Politik der Wissenschaftler oder die Wissenschaftlerin nicht erlauben kann: Sich bei der Lüge erwischen zu lassen.