Tag-Archiv für 'linksradikale-geschichte'

Diskussion zu 10 Jahre 1968

Habe meinen Sonntag mal wieder mit linker Geschichte verbracht:
1978 diskutierten im ORF Daniel Cohn-Bendit, Rudi Dutschke, Kurt Sontheimer (prominenter bundesdeutscher Politikwissenschaftler) und Matthias Walden (Springer-Journalist) über 10 Jahre 1968. Die Diskussion wäre zu disem Zeitpunkt (dt. Herbst) so im bundesdeutschen Fernsehen nicht möglich gewesen. Die Runde hatte keine Zeitliche Begrenzung auf ein erwünschtes Sendeformat von 1 Stunde und war am Ende ca. 3 Stunden lang. Es werden verschiedenste Stränge dikutierte u.a. Gewaltfrage grundsätzlich und historisch für 1968, die linken Bewegungen der 1970er Jahre und die gesellschaftliche Wirkung von 1968. So informativ könnte Fernsehen sein! Besonders witzig aus heutiger Perspektive: Die rauchen die gesamte Diskussionszeit über.

Dokumentation über The Weather Underground

via Subprole. Vielen Dank!

Halim Dener

Halim Dener Plakat

62 Jahre Nakhba

Da auf Indymedia anlässlich des 62. Jubiläums der Nakhba („Katastrophe“) wieder mal das Anti-D/Antiimp-Gedisse angefangen hat, dokumentiere ich mal ’nen Text der Proletarischen Front aus Hamburg, die schon 1972 die Solidarität mit Fatah und PFLP kritisierte ohne in ein prozionistisches Hohelied einzustimmen. Die Proletarische Front war übrigens einer der Versuche den Operaismus auch als politische Praxis in der BRD umzusetzen. Gemeinsam mit anderen operaistischen Gruppen bildete sie den „Wir wollen alles“ Zusammenhang. In ihr war u.a. Karl-Heinz Roth organisiert. Ungewöhnlicherweise fand ich den Text unter den Indykommentaren!

Vor 40 Jahren ging Ulrike Meinhof in den Untergrund

Und wieder einmal ein historisches Ereignis auf diesem wundervollen Blog. Den Hinweis verdanke ich dem Neuen Deutschland. Anlässlich des Jahrestages der Baader Befreiung dokumentiere ich die Erklärung der Roten Armee Fraktion zu diesem Anlass. Die Befreiung war der Anfang des Aufbaus der Metropolenguerilla und der Versuch den bewaffneten Kampf auch in der BRD als politisches Mittel zu etablieren.

5. Juni 1970 in „883″

Die Rote Armee aufbauen!

Genossen von 883 – es hat keinen Zweck, den falschen Leuten das Richtige erklären zu wollen. Das haben wir lange genug gemacht. Die Baader-Befreiungs-Aktion haben wir nicht den intellektuellen Schwätzern, den Hosenscheißern, den Allesbesser-Wissern zu erklären, sondern den potentiell revolutionären Teilen des Volkes.

Das heißt denen, die die Tat sofort begreifen können, weil sie selbst Gefangene sind. Die auf das Geschwätz der »Linken« nichts geben können, weil es ohne Folgen und Taten geblieben ist. Die es satt haben! Den Jugendlichen im Märkischen Viertel habt ihr die Baader-Befreiungs-Aktion zu erklären, den Mädchen im Eichenhof, in der Ollenhauer, in Heiligensee, den Jungs im Jugendhof, in der Jugendhilfsstelle, im Grünen Haus, im Kieferngrund. Den kinderreichen Familien, den Jungarbeitern und Lehrlingen, den Hauptschülern, den Familien in den Sanierungsgebieten, den Arbeiterinnen von Siemens und AEG-Telefunken, von SEL und Osram, den verheirateten Arbeiterinnen, die zu Haushalt und Kindern auch noch den Akkord schaffen müssen – verdammt!

Denen habt ihr die Aktion zu vermitteln, die für die Ausbeutung, die sie erleiden, keine Entschädigung bekommen durch Lebensstandard, Konsum, Bausparvertrag, Kleinkredite, Mittelklassewagen. Die sich den ganzen Kram nicht leisten können, die da nicht dran hängen. Die alle Zukunftsversprechen ihrer Erzieher und Lehrer und Hausverwalter und Fürsorger und Vorarbeiter und Meister und Gewerkschaftsfunktionäre und Bezirksbürgermeister als Lügen entlarvt haben und nur noch Angst vor der Polizei haben. Denen – und nicht den kleinbürgerlichen Intellektuellen – habt ihr zu sagen, daß jetzt Schluß ist, daß es jetzt los geht, daß die Befreiung Baaders nur der Anfang ist!

Daß ein Ende der Bullenherrschaft abzusehen ist! Denen habt ihr zu sagen daß wir die Rote Armee aufbauen, das ist ihre Armee. Denen habt ihr zu sagen, daß es jetzt losgeht. -Die werden nicht blöde fragen, warum gerade jetzt? Die haben die tausend Wege zu Behörden und Ämtern schon hinter sich – den Tanz mit Prozessen –, die Wartezeiten und -zimmer, das Datum, wo es bestimmt klappt und nichts geklappt hat. Und das Gespräch mit der netten Lehrerin, die die Überweisung an die Hilfsschule dann doch nicht verhindert hat und der hilflosen Kindergärtnerin, wo auch kein Platz frei wurde. Die fragen euch nicht, warum gerade jetzt – verdammt.

Die glauben euch natürlich kein Wort, wenn ihr selbst nicht mal in der Lage seid, die Zeitung zu verteilen, bevor sie beschlagnahmt wird. Weil ihr nicht die linken Schleimscheißer zu agitieren habt, sondern die objektiv Linken, habt ihr ein Vertriebsnetz aufzubauen, an das die Schweine nicht rankommen. Quatscht nicht, das sei zu schwer. Die Baader-Befreiungs-Aktion war auch kein Deckchensticken. […]

Was heißt: Die Konflikte auf die Spitze treiben? Das heißt: Sich nicht abschlachten lassen. Deshalb bauen wir die Rote Armee auf. Hinter den Eltern stehen die Lehrer, das Jugendamt, die Polizei. Hinter dem Vorarbeiter steht der Meister, das Personalbüro, der Werkschutz, die Fürsorge, die Polizei. Hinter dem Hauswart steht der Verwalter, der Hausbesitzer, der Gerichtsvollzieher, die Räumungsklage, die Polizei. Was die Schweine mit Zensuren, Entlassungen, Kündigungen, mit Kuckuck und Schlagstock schaffen, schaffen sie damit. Klar, daß sie zur Dienstpistole greifen, zu Tränengas, Handgranaten und MPs, klar, daß sie die Mittel eskalieren, wenn sie anders nicht weiterkommen. Klar, daß die GIs in Vietnam auf Guerilla-Taktik umgeschult wurden, die Green-Berretts auf Folterkurs gebracht. Na und? Klar, daß der Strafvollzug für Politische verschärft wird.

Ihr habt klarzumachen, daß das sozialdemokratischer Dreck ist, zu behaupten, der Imperialismus samt allen Neubauers und Westmorelands, Bonn, Senat, Landesjugendamt und Bezirksämtern, der ganze Schweinkram ließe sich unterwandern, nasführen, überrumpeln, einschüchtern, kampflos abschaffen. Macht das klar, daß die Revolution kein Osterspaziergang sein wird. Daß die Schweine die Mittel natürlich so weit eskalieren werden, wie sie können, aber auch nicht weiter. Um die Konflikte auf die Spitze treiben zu können, bauen wir die Rote Armee auf.

Ohne gleichzeitig die Rote Armee aufzubauen, verkommt jeder Konflikt, jede politische Arbeit im Betrieb und im Wedding und im Märkischen Viertel und in der Plötze und im Gerichtssaal zu Reformismus, d. h.: Ihr setzt nur bessere Disziplinierungsmittel durch, bessere Einschüchterungsmethoden, bessere Ausbeutungsmethoden. Das macht das Volk nur kaputt, das macht nicht kaputt, was das Volk kaputt macht!

Ohne die Rote Armee aufzubauen, können die Schweine alles machen, können die Schweine weitermachen: Einsperren, Entlassen, Pfänden, Kinder stehlen, Einschüchtern, Schießen, Herrschen. Die Konflikte auf die Spitze treiben heißt: Daß die nicht mehr können, was die wollen, sondern machen müssen, was wir wollen.

Denen habt ihrs klar zu machen, die von der Ausbeutung der Dritten Welt, vom persischen Öl, Boliviens Bananen, Südafrikas Gold – nichts abkriegen, die keinen Grund haben, sich mit den Ausbeutern zu identifizieren. Die können das kapieren, daß das, was hier jetzt losgeht, in Vietnam, Palästina, Guatemala, in Oakland und Watts, in Kuba und China, in Angola und New York schon losgegangen ist. Die kapieren das, wenn ihr es ihnen erklärt, daß die Baader-Befreiungs-Aktion keine vereinzelte Aktion ist, nie war, nur die erste dieser Art in der BRD ist. Verdammt.

Sitzt nicht auf dem hausdurchsuchten Sofa herum und zählt eure Lieben, wie kleinkarierte Krämerseelen. Baut den richtigen Verteilerapparat auf, laßt die Hosenscheißer liegen, die Rotkohlfresser, die Sozialarbeiter, die sich doch nur anbiedern, dies Lumpenpack.

Kriegt raus, wo die Heime sind und die kinderreichen Familien und das Subproletariat und die proletarischen Frauen, die nur darauf warten, den Richtigen in die Fresse zu schlagen. Die werden die Führung übernehmen. Und laßt euch nicht schnappen und lernt von denen, wie man sich nicht schnappen läßt – die verstehen mehr davon als ihr.

Die Klassenkämpfe entfalten. Das Proletariat organisieren.
Mit dem bewaffneten Widerstand beginnen!

DIE ROTE ARMEE AUFBAUEN!

von http://www.rafinfo.de/index.php

Fall von Saigon

Am 30.4. vor 35 Jahren endete der Vietnamkrieg mit dem Fall Saiogons. Damit wurde endgültig besiegelt, dass die US-Armee einer Kombination aus linker Revolte im eigenen Land und antiimperialistischen bewaffneten Kampf unterliegen konnte. Kurzzeitig erschien es vielen möglich und logisch, dass der Imperialismus „nur ein Papiertiger“ sei.

Bei der Denver Post findet ihr eine beeindruckende Foto-Reihe:

http://bit.ly/c8axHn

Ein kleiner Vorgeschmack hier:

Vietnam Bild 140